Schulwesen, Wissenschaft und Technik
Die erste Universität in der Slowakei war die im Jahre 1465 in Pressburg gegründete Academia Istropolitana. Hier wirkte der Astronome J. Müller – Regiomontanus aus Königsbeg in Bayern, ein Vorgänger von N. Copernicus. Zu den bedeutendsten deutschen schulischen Einrichtungen, die auch von namhaften Persönlichkeiten der Madjaren und Slowaken besucht wurden, gehören das Preßburger Gymnasium (gegr. 1606) und das Käsmarker Lyceum (gegr. 1533). Europäische Bedeutung erlangte die erste Montanhochschule der Welt – die im Jahre 1762 in Schemnitz gegründete Bergbauakademie.
Die Apponyischen Gesetze aus dem Jahre 1907 schränkten den Unterricht in deutscher Sprache stark ein. Erst nach 1918 kam Deutsch als Unterrichtssprache wieder zur Geltung. Durch die Errichtung einer eigenen Abteilung im Schulministerium im Jahre 1939 erhielt das deutsche Schulwesen eine beträchtliche Unterstützung. Im Jahre 1943 hatten die Deutschen in der Slowakei in 122 Gemeinden 141 Volksschulen, 23 Bürgerschulen, 1 Lehrerakademie, 2 Handelsakademien, 3 Gymnasien und 17 Fachschulen verschiedenster Art. Nach 1945 wurde Deutsch nur als Fremdsprache unterrichtet, und erst 1992 kam es zu einem Neuanfang mit eigenen deutschen Kindergärten, bilingualen Grundschulen und Gymnasien.
Im Bereich der Wissenschaft und Technik sind die Leistungen vieler Karpatendeutscher gut bekannt. Der Preßburger Johann Andreas Segner schrieb sich als Erfinder des „Segnerschen Wasserrads“ in die Annale des physikalischen Fortschritts ein. Sein Zeitgenosse Wolfgang Kempelen, ebenfalls ein Preßburger, baute eine Sprechmaschine und wird für den Vater der Automatisierung gehalten. Der Astronome Maximilian Hell aus Siegelsberg wurde Direktor der Sternwarte in Wien. Der aus Zipser Bela stammende Josef Maximilian Petzval, Professor an der Wiener Universität, ist als Erfinder eines neuen photographischen Objektivs bekannt. An der Wiener Universität wirkte auch der Preßburger Botaniker Stefan Endlicher. Ein weiterer Preßburger, Philipp Lenard, erhielt im Jahre 1905 für seine Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Kathodenstrahlen den Nobelpreis für Physik.
Schemnitz war ein Zentrum der Technik von europäischer Bedeutung. Es war Caspar Weindl, der im Jahre 1627 als erster Schießpulver im Bergbau verwendete. Im 18. Jh. stellten die Pumpen Josef Karl Hells technische Spitzenkonstruktionen dar. Im Jahre 1786 fand in Glashütten der überhaupt erste Kongress der Techniker statt; es wurde eine Gesellschaft für Bergbaukunde gegründet, zu deren Mitgliedern auch J. W. Goethe und J. Watt gehörten. Die deutsche Sprache war auch für die Slowaken ein Mittel der Verständigung auf dem Weg nach Europa. Die Reformation, die Aufklärung, der Pietismus und die Romantik in der Slowakei hatten ihre Wurzeln an der Universität in Wien.







