Bergbau, Handwerken und Zünfte, die Industrie
Seit dem 13. Jahrhundert luden die ungarischen Könige deutsche Fachleute, die fähig waren wertvolle Erze sachkundig zu fördern, ins Land. So kamen Bergleute aus Kärnten und dem Harz, aus Böhmen und Mähren in die Slowakei. Sie errichteten nach und nach die sieben „niederungarischen Bergstädte“ im Hauerland und die sieben „oberungarischen Bergstädte“ in der Zips. Besonders die mittelslowakischen Bergstädte wie Kremnitz, Schemnitz und Neusohl waren in ihrer Blütezeit im 14.-16. Jh. die Grundlage der Geldwirtschaft in ganz Ungarn. Durch die Zusammenarbeit zweier Unternehmerfamilien – der Augsburger Fugger und der Zipser Thurzo – wurde der Bergbau des Hauerlandes im 16. Jh. auf einen Höhepunkt geführt. Die Entdeckung der Amerika, Türkeneinfälle mit Brandschatzungen, Pestepidemien und antihabsburgischen Aufstände verursachten neben einer Dezimierung der deutschen Bevölkerung auch Ruin und Untergang vieler Bergwerke. Erst während der Regierung von Maria Theresia haben die Montangebiete und Bergstädte der Slowakei eine Wiederbelebung, sogar eine weitere Blütezeit erlebt. In den Bergbaugebieten des Hauerlandes wurde eine einzigartige Bergbautechnik entwickelt. Besondere Bedeutung hat die 1762 in Schemnitz gegründete erste Montanhochschule der Welt. Nach 1910 wurde in Krickerhau eine Lagerstätte mit hochwertiger Pechbraunkohle erschlossen.
Grundsätzliche Veränderungen in der handwerklichen Produktion sind mit der deutschen Kolonisierung der Slowakei und der anschließenden Städtegründung verbunden. Den mit der Landwirtschaft verbundenen Dorfhandwerker ersetzte der persönlich freie städtische Handwerker. Dank dem entscheidenden deutschen Einfluss sowie dem System der Ausbildung junger Handwerker war der Inhalt des Handwerks in der Slowakei und auch sein technologisches Niveau mit der westeuropäischen identisch. Auf die entscheidende deutsche Beteiligung an der Entwicklung des Handwerks in der Slowakei weist auch eine Großzahl der Bezeichnungen von Geräten, Arbeitsverfahren und Produkten, die ihren Ursprung in der deutschen Sprache haben. Im 14. Jh. wurden in der Slowakei die ersten Interessengemeinschaften der Handwerker – Zünfte – gegründet. Ihre Mitglieder waren zuerst nur Deutsche. Die erste Form der Zünfte waren die sog. Bruderschaften, welche die Handwerker um den Altar eines heiligen vereinten. Die Artikel einer Zunft regelten das Verhältnis zur kirchlichen und weltlichen Obrigkeit sowie die Beziehungen der Mitglieder einer Zunft untereinander, zwischen Lehrlingen, Gesellen und Meistern. Zu den bedeutendsten Zentren, deren Zunftartikel auch anderswo übernommen wurden, gehörten Preßburg, Tyrnau, Neusohl, Leutschau und Kaschau. Im J. 1529 waren in Neusohl 28 Zünfte der Handwerker registriert, am Ende des Mittelalters in Leutschau sogar 42. Im 18. und 19. Jh. verlor das Zunftwesen seine praktische Bedeutung.
Die Entwicklung der Industrie in der Slowakei kann an der Entwicklung der Fabriken karpatendeutscher Unternehmer gut verfolgt werden. Letztere gingen ebenfalls den Weg von der Manufaktur zur Fabrik, jedoch nicht alle haben diesen Ü bergang geschafft. Neben dem Bergbau hatte die Slowakei ideale Gegebenheiten für weitere Produktionszweige, z. B. für die Herstellung von Leinen, Papier oder Blechwaren, für die Holzgewinnung und -verarbeitung u. a. Mit der Zuwanderung zahlreicher deutscher Familien entwickelte sich in der Slowakei die Glasproduktion. Überregionale Bedeutung erlangten Familienbetriebe wie z. B. Wein (Weberei, Textilveredelung) in Käsmark, Cziser (Papier) und die 1. Zipser Dampfbrauerei in Deutschendorf, C.A. Scholtz (Haushaltsgeräte, Emailwaren) in Matzdorf, Grüneberg (Bürsten), Brüder Stein (Bierbrauerei) und Manderla (Großfleischerei) in Preßburg. Im Hauerland und in der Zips wurden zahlreiche Genossenschaften gegründet; in Deutsch Proben z. B. waren es Tuchmacher (Schertsig), in Ober- und Untermetzenseifen Hammerschmiede (Pöhm, Göbl, Gedeon).







