30 Jahre Karpatendeutscher Verein

In diesen Tagen begehen wir zwei Jubiläen: den 30. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands und den 30. Jahrestag der Gründung unseres Karpatendeutschen Vereins. Geopolitisch sind diese Ereignisse natürlich nicht vergleichbar, auch wenn man sagt, dass alles mit allem zusammenhängt.

Auf die Wiedervereinigung konnte man das bekannteste Zitat von Willy Brandt beziehen: „Es wächst zusammen, was zusammen gehört“. Zur Gründung unseres Vereins passte besser die Aussage: „Es trennt sich, was nicht zusammenpasst.“

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Sie war auch das Symbol der Spaltung, nicht nur Berlins und Deutschlands, sondern Europas und der Welt in einen freien und einen unfreien Teil. Nach dem Mauerfall sollte nicht einmal ein Jahr vergehen, bis die Deutschen die Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit erreichte. Am 31. August wurde der „Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands“ unterschrieben, in dem der 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit zum gesetzlichen Feiertag bestimmt wurde.

Während die beiden deutschen Staaten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zusammenwuchsen, begannen in der Tschechoslowakei die Spaltungsprozesse: Zuerst ging es um den Namen des Staates (sog. Gedankenstrich-Krieg). Nach heftigen Diskussionen und einigen Verfassungsänderungen änderte sich die Benennung von Tschechoslowakische Sozialistische Republik auf Tschechische und Slowakische Föderative Republik. In der Kurzform Tschechoslowakei in Tschechien und Tschecho-Slowakei in der Slowakei. Ein Kompromiss für den Landesnamen war zwar gefunden, der Zerfall des Landes konnte aber letztlich nicht verhindert werden.

Vor diesem Hintergrund kann man auch zu dem Weg der Gründung unseres Karpatendeutschen Vereins Parallelen ziehen. Die ersten Monate des Jahres 1990 wurde noch über karpatendeutsche Verbände als Teil des Verbandes der Deutschen in der Tschechoslowakei gesprochen. Es wurde aber auch diskutiert, welche Position die karpatendeutschen Vereine in dem tschechoslowakischen Verband haben sollten. Da kam es nicht zu einem Konsensus und deswegen siegten in den Sommermonaten die Vorstellungen, einen selbständigen Karpatendeutschen Verein in der Slowakei zu gründen. Dies geschah am 30. September 1990 in Metzenseifen.

Sicher ist, dass diese beiden bewegenden Ereignisse zu den größten Glücksmomenten der deutschen und auch der karpatendeutschen Geschichte gehören. Beide sind ein fester Bestandteil unserer Erinnerungskultur und sie verdienen unsere Achtung.

Ondrej Pöss